B.A.R.F - Rohfütterung

 

Wie in allen Dingen des Lebens, so gibt es auch bei der Ernährung des Hundes Pro und Contra zum Thema Fertigfutter sowie Rohfütterung.

Ich möchte hier ausschließlich von meinen Erfahrungen seid der Umstellung von Trockenfutter auf Rohfütterung berichten. Mein "Wissen", untermauert durch Literatur u.a. von

- "Hundezucht naturgemäß" von Ilse Siebert und Eric Aldington
- "Die Technik der Hundezucht" von Dr.Fleig
- "Handbuch der Hundezucht" von Inge Hansen
- "BARF" von Swanie Simon
- Sammlung von Berichten aus dem Internet, Broschüren usw.

und natürlich persönlicher Erfahrungsaustausch mit Hundemenschen die bereits barften, gaben den Ausschlag im Frühjahr 2004 unsere Lucca komplett von Trockenfutter auf Rohfutter umzustellen. Es ging vom ersten Tag an ganz komplikationslos, weil Lucca bereits bei ihrer Züchterin, und auch von uns weitergefüttert, rohes Rindfleisch als Futterbeigabe gewöhnt war.

Mit Gammon habe ich mich schwer getan. Zum einen weil er eine chronische Blasen/Struvitkristall-Erkrankung hatte, ständiges Hautjucken, immer gerötete Ohren und letztendlich eine chronische Bizeptssehnenentzündung. Heute weiß ich, dass eine Umstellung ihm ganz schnell geholfen hätte.

Ich bin kein ausgesprochener Gegner von Trockenfutter, von gutem Trockenfutter wohlgemerkt. Trockenfutter was allerdings bei näherem Hinsehen zu 80 % und mehr aus Füllstoffen (Getreide/Mais usw.) besteht und der Fleischanteil oft unter 10% liegt- nun da überlasse ich jedem selbst sich seine Schlüsse daraus zu ziehen. Die Futtermittelindustrie legt geschickt den Grundstein für ein schlechtes Gewissen, falls man jemals den Gedanken entwickeln sollte, seinen Hund mit irgendetwas anderem füttern zu wollen, als mit industriell hergestelltem Futter. Und ganz besonders wenn der Hund schon Erkrankungen zeigt, scheint es geradzu verwerflich zu sein, nicht auf eigens dafür hergestelltes Spezialfutter zurückzugreifen.

So war es auf alle Fälle bei mir und ich vermute, dass ich damit nicht alleine bin bzw. war. Zu Anfang quälen einen die Sorge: Hat mein Hund auch alles was er braucht, in der richtigen Reihenfolge, im richtigen Verhältnis usw. usw.???
Selbstverständlich muss man sich, bevor auf die Rohfütterung umgestellt wird, ein gutes Basiswissen aneignen und auch bereit sein, weiter dazuzulernen. Vermutlich ist das der Punkt wo dann die meisten Hundebesitzer zurückschrecken. Aber, ich kann ihnen versichern, wenn Sie ersteinmal den Schritt gewagt haben und im Thema sind, werden Sie feststellen, dass es gar nicht so schwierig ist, und nicht so zeitaufwendig ist, wie von Gegnern zitiert.

Es ist ein gutes Gefühl, wenn man genau weiß, was der Hund im Topf hat. Sie mögen doch sicherlich auch nicht jeden Tag Fertigkost,oder? Hier und da eine Pizza, oder Fritten...klar wer mag das nicht mal. Aber jeden Tag? Wir müssten, um den Mangelzuständen vorzubeugen, u.a. Vitamin-präparate schlucken, bzw. der Kost chemisch beimengen, weil frisches Fleisch, Obst und Gemüse fehlen. Gerade so, wie im Trockenfutter für unsere Hunde. Diese Gedanken haben bei mir letztendlich den Ausschlag gegeben mich vom Fertigfutter zu verabschieden und unseren Hunden, als Beutefresser die sie nun mal sind, artgerechts Futter zu geben.

Ach so, fast hätte ich vergessen zu erwähnen, dass unser Gammon wieder läuft und springt wie ein junger Hund, seine Ohren nicht mehr gerötet und entzündet sind, er außer Verlegenheitskratzen kein Hautjucken mehr hat und bei der letzten Urinuntersuchung beste Werte hatte.

Futterverteilung und Menge:

Mengenempfehlungen geben wir hier nicht, da diese von der Rasse, den Haltungsbedingungen (Auslauf, Bewegung usw.) und vom individuellen Stoffwechsel des Tieres abhängen. Als Richtwert werden allgemein für die gesamte Futtermenge ca. 2 % des Körpergewichtes angegeben.

Jungtiere:

Aufgrund des hohen Proteinbedarfs während des Wachstums Fleisch ca. 80 %, Getreide und Gemüse zu gleichen Teilen ca. 20 % (Nassgewicht).

Erwachsene Tiere:

Fleisch ca. 60 % - 70 %, Getreide und Gemüse zu gleichen Teilen ca. 30 % - 40 % (Nassgewicht).

Ältere Tiere:

Ältere Tiere haben (u.a. aufgrund der nachlassenden Aktivität) einen geringeren Proteinbedarf. Wir füttern: Fleisch ca. 50 %, Getreide ca. 20 - 25 % und Gemüse ca. 25 % - 30 % (Nassgewicht).

1. Fleisch

Mögliche Sorten sind Rind, Geflügel, Lamm, Schaf, Kaninchen, Hase, Wild und Pferd.

Rind: Muskelfleisch, Kopffleisch, Backenfleisch, Maulfleisch, Zunge, Herz, Beinscheiben- fleisch, Leber, Niere, Pansen, Blättermagen, Lunge, Milz), Knochen, Ochsenschwanz, Bein, Kugelgelenk, Rippen, Schulter, Knorpel, Kehlkopf, Luftröhre, Schlund.

Geflügel: Ganze Hühner, Gänse, Puten, Enten

Huhn: Hälse, Rücken, Karkassen, Flügel, vom Hähnchen: Schenkel

Pute: Unterkeule

Suppenhuhn sollte man meiden, da dies meist ältere Tiere sind und damit deren Knochen leicht splittern können. Die Innereien wie Leber, Niere, Lunge und das Muskelfleisch Herz und Magen darf auch gern verfüttert werden.

Lamm, Schaf, Kaninchen, Hase und Wild: Von Lamm, Schaf und Wild können die gleichen Teile verfüttert werden, wie vom Rind.Kaninchen und Hasen können auch ganz verfüttert werden, bis auf die Därme.

Die Hühnerhälse oder -rücken werden bei uns als Mittagsmahlzeit gereicht, die Hauptmahlzeit mit Fleisch, Obst, Gemüse und Zusätzen. Wir füttern Fleisch gewolft oder gehackt und mischen es mit dem pürierten Gemüse. Innereien (pürierte Rinder-, Hühner- oder Putenleber, Hühnermägen, Hühnerherzen, Rinderherz) sollten nicht zu oft gefüttert werden, etwa 1-mal pro Woche, und sollten 15 % der Nahrung nicht übersteigen.

2. Pflanzliche Stoffe

Die meisten pflanzlichen Produkte können Hunde nicht in roher Form verarbeiten und müssen daher für den Hund püriert werden. In der Natur werden roh lediglich Kräuter, Nüsse und einige wenige Gemüse verzehrt. Die meisten pflanzlichen Stoffe entnehmen die Beutefresser dem Mageninhalt der Beutetiere, wo diese in vor verdauter Form vorliegen.

Als Gemüse eignen sich alle nicht blähenden, z.B. Paprika, Lauch, Möhren, Radieschen, Rettich, Sellerie, Fenchel, Gurke, Zucchini, Kürbis, Spinat, grüner Salat, Eisbergsalat, alle Arten von Salat usw. Blumenkohl oder Brokkoli möglichst nur 1 -mal die Woche verwenden.

Äpfel und Bananen sind die hauptsächlich gegebenen Obstsorten, aber auch Birnen, Aprikosen, Melonen, Pfirsiche, Ananas und Beerenfrüchte (Brombeeren, Erdbeeren, Himbeeren, Blaubeeren.

Unverdauliche Schalen, Kerne und Steine sollten entfernt werden. Kerne und Steine enthalten giftige Blausäure. Auch schimmeliges oder unreifes Obst sollte nicht verfüttert werden, da schimmelige Stellen giftige Stoffe enthalten.

3. Zusätze

Als Zusätze werden Knoblauch, Seetang, Apfelessig, Kräuter, Öle (Lein-, Sonnenblumen-, Distel-, Walnuss-, Knoblauch-, Oliven-, Rapsöl etc.), Honig, gemahlene Nüsse (keine Erdnüsse), Sonnenblumenkerne, Weizenkeime, Weizenkleie, Blütenpollen, Baumrindenmischungen, Leinsamen, Bierhefe, getrocknete und gemahlene Brennnesseln, gemahlene Hagebutten, Quark, Joghurt gegeben. Zweimal wöchentlich können Eier mit Schale hinzugefügt werden.

Öle und Fette, die regelmäßig hinzubegeben werden sollten, da sie essentielle Fettsäuren enthalten und damit für unseren Hund lebensnotwendig sind. Öle (der tägliche Bedarf des Hundes wird hier mit 0,3g Öl pro kg Körpergewicht angegeben) müssen kaltgepresst sein und Honig kaltgeschleudert, damit die wertvollen Inhaltsstoffe erhalten bleiben.

4. Getreide

Getreide können Sie als Flocken füttern, die Sie in heißem Wasser oder Brühe einweichen. Sie können gekochten Reis oder Nudeln (beides Vollkorn!) oder gekochte ( nicht roh) Kartoffeln zufüttern.

Viele handelsübliche Mixflocken werben "mit Gemüse"( Gemüseanteil unter 10 %). Wenn Sie Flocken füttern, vergessen Sie nicht zusätzliche Gemüsezugaben.

Wer eine Getreidebeimischung zum Futter ablehnt, mag seinen Hund allein mit Fleisch und Gemüse ernähren. Auch bei diagnostizierter, oder vermutetender Getreideallergie sollte Sie auf Getreidebeigaben verzichten.

Für eine Getreide-Beifütterung sprechen zwei Argumente:

1.) durch den hohen Anteil von Kohlehydraten ist Getreide hochsättigend
2.) Getreide ist wesentlich preiswerter als Gemüse

5. Kräuter und Gräser

Mischen Sie zusätzliche Kräuter klein gehackt unter das Futter (z.B. Petersilie, Kresse, Katzenminze, Löwenzahn, Brennnessel, Kerbel, Thymian, Basilikum, Majoran usw.).
Bitte bedenken Sie, viele Kräuter haben eine "heilende" Wirkung. Darum sollten sie nicht in größeren Mengen und unkontrolliert als Futtermittel eingesetzt werden.

6. Merkzettel

Der Bedarf an Kalzium beträgt nach neuesten Erkenntnissen für den ausgewachsenen Hund: 80 mg pro kg Körpergewicht / Tag. *

Ein 10 kg. schwerer Hund benötigt also 800 mg Ca am Tag. Der Bedarf für einen 10-kg-Hund wird gedeckt durch knapp 1 gestrichenen TL Kalziumzitrat oder ca. 1/2 TL Eierschale oder 6 Gramm Kalbsknochen oder Knochenmehl (Menge nach Angaben des Herstellers)
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Kalziumzitrat:

100 Gramm Kalziumzitrat mit ein Ca-Gehalt von 21% enthalten 21 Gramm Kalzium.
1 Teelöffel voll Kalziumzitrat entspricht etwa 1 Gramm Kalzium.

Eierschale:

100 Gramm Eierschale enthalten rd. 33 - 36 Gramm Kalzium.
1 Eierschale wiegt etwa 10 Gramm und ergibt gemahlen oder gemörsert etwa 2 TL voll.
1 Teelöffel Eierschale (5 Gramm) enthält etwa 1,6 - 1,8 Gramm Kalzium.

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Links

- B.A.R.F Swanie Simon, die ultimative Seite für Barfer

- B.A.R.F. RaWo Naturnahe Ernährung

- B.A.R.F. Gesunde Hunde-Tipps zur Rohernährung und Impfung

- Frischfleisch Tipp- Super Qualität!

 

Alle Angaben sind ohne Gewähr. Alle Angaben sind aus entsprechender Literatur und Berichten zusammengetragen und erheben keinen Anspruch auf Vollständigkeit.
Verschaffen Sie sich unbedingt das nötige Basiswissen, lesen Sie die angebenen Bücherhinweise und informieren sich ausgiebig im Internet und Foren.

Januar 2007

 

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